Sich wärmen an der rauen Haut des Andern


Heute bin ich der einzige Gast hier.

Morgen aber wirst du wieder bei mir sitzen
und du wirst eine Rose in der Hand halten,
die nicht mehr welkt.
Menschen werden an uns vorüber ziehen,
die keiner von uns jemals gesehen hat
mit grimmigen gefrorenen Blicken
und Eiszapfen auf ihren Lippen.
Keiner von ihnen wird uns verstehen,
und wollten sie uns verstehen,
so müssten sie die Straßenseite wechseln.
Was Gefangenschaft ist,
werden wir vergessen haben.
Wir werden andere Herzen
unter unseren Mänteln tragen.
Und manchmal werden wir uns wieder
beinahe zufällig durch die Haare streichen
und unsere Gesichter wärmen
an der rauen Haut des Andern.



„Sich wärmen an der rauen Haut des Andern“, 1987


sich wärmen