Lauras Geheimnis

  
Ich versuchte, mich ein wenig einzurichten. So stellte ich mir einen Topf mit künstlichen Tulpen auf das Fensterbrett, auch ein Glas mit Brausebonbons in Form von Krokodilen oder Schildkröten, von denen ich gelegentlich naschte. In der Mittagspause schloss ich mich manchmal im Klo ein, zerbiss die Hülle, träufelte mir den Brauseinhalt aufs Handinnere und ließ Spucke dazu hinein tropfen. Ich betrachtete die Blasen, die sich bildeten, und spürte dieses Prickeln, das mir einen Schauer nach dem andern über den Rücken jagte. Erregendes, betörendes Gefühl. Das hatte ich schon als Kind geliebt. Auch das war ein Grund, warum ich nach der Schule oftmals später nach Hause kam.
Hier auf der Toilette wurde ich oft schlagartig unterbrochen, weil jemand an der Tür rüttelte. Dann leckte ich die süße Bescherung hastig auf, verließ meine Zuflucht und behielt meine kleine Freude wie ein Geheimnis für mich.    




„Laura“, 1999, (Eine Collage zu einem Kunstprojekt von Bert E. A. Klag)



Bild Laura